Wien verfügt über eine große Artenvielfalt. Manche Arten findet man jedoch nicht nur in den Grünräumen rund um die Stadt, sondern auch in den menschlich geprägten Teilen Wiens: die Kulturfolger! Speziell in einer artenreichen Großstadt wie Wien liegt es daher auch in unserer Verantwortung, diese Arten zu erfassen, zu verstehen und zu schützen.

Mauersegler 1 wiki 128Wir teilen unsere Häuser bzw. unsere Stadt mit zahlreichen tierischen Mitbewohnern. Bauen wir also um, renovieren wir oder reißen wir etwas ab, ist es wichtig, dabei die Gebäude auch als Lebensraum mitzudenken. Zahlreiche Kulturfolger sind inklusive ihrer Brut- und Fortpflanzungsstellen durch das Wiener Naturschutzgesetz geschützt. So dürfen etwa die Nester von Vögeln an unseren Fassaden nicht einfach entfernt werden.

Doch wer sind diese Arten, die mitten unter uns leben? Lernen Sie unsere tierischen Mitbewohner etwas besser kennen, sehen Sie unsere Stadt durch ihre Augen und erfahren Sie, wie sehr ihre Leben mit unseren verflochten sind.  

Igel 1 Wiki 128Portraits von besonders spannenden Arten:

Igel – ein stacheliger Überlebenskünstler 

Mauersegler – ein Flugakrobat der Sonderklasse 

Fuchs – ein urbaner Opportunist

Dohle – eine schlaue Turmbewohnerin

Woher kommen Kulturfolger?

Die Annäherung von Mensch und Kulturfolgern geht bis in die Steinzeit zurück. Als die Menschen vor 10.000 Jahren sesshaft wurden, wandelten sie sich von umherziehenden Jäger*innen und Sammler*innen zu Landwirt*innen. Statt immer neue Nahrung zu suchen, wurden Felder bestellt, Siedlungen gegründet und Haus- bzw. Nutztiere gehalten. Mit dieser Beanspruchung von Flächen traten die Menschen in die Fußstapfen der großen pflanzenfressenden Säugetiere der Eiszeit: Auch weidende Mammuts und Wollnashörner veränderten ihre Lebensräume von Wäldern in offene Graslandschaften. Mit der zunehmenden Entwicklung der Menschheit wurde diese Einflussnahme auf die Natur aber stetig mehr. Technische Erfindungen und Bevölkerungswachstum steigerten den Flächenbedarf und die Umwelt wurde nach und nach verändert: Wälder wurden gerodet, Sümpfe trockengelegt, Hänge terrassiert, Flüsse umgeleitet und Siedlungen zu Städten ausgebaut. Heute gibt es keinen Ort mehr, an dem man den menschlichen Einfluss auf die Natur nicht messen kann.

Rotfuchs 2 wiki 128Für viele Tierarten ist diese Veränderung ein wesentliches Problem, da sie ihre Lebensräume verlieren. Manche Arten aber haben sich schnell an die neuen Gegebenheiten angepasst und aus den menschlichen Siedlungen und unserem Lebensstil ihre Vorteile gezogen. Sie leben mitten unter uns, schlafen unter unseren Dächern, an unseren Hausfassaden oder in unseren Parks und Gärten. Geschickt profitieren sie von unseren Behausungen, unseren Nahrungsressourcen oder unseren Verhaltensweisen. Gesammelt nennen wir diese Arten Kulturfolger! Die Adaption von kulturfolgenden Arten an unsere Lebensweise und Siedlungsgebiete erfolgte verhältnismäßig schnell. So schafften diese es, sich in nur wenigen tausend oder gar hunderten Jahren an uns Menschen anzupassen. Dieser schnelle Fortschritt liegt vor allem an der besseren Verfügbarkeit von Ressourcen wie Nahrung und Unterschlupf, der starken Selektion durch menschlich forcierte Umweltveränderungen sowie auch am Wegfall natürlicher Feinde durch die menschliche Präsenz. Außerdem nutzen viele kulturfolgende Arten in der Stadt Strukturen, die sie in der Natur in ähnlicher Form vorgefunden haben (z.B. ist eine Nische an einem Gebäude so ähnlich wie eine kleine Felsspalte).

Maßnahmen für Kulturfolger

Überall dort, wo sich Menschen und Kulturfolger begegnen, ergibt sich die Chance, etwas für die Tiere zu tun!

Naturnahe Gartengestaltung ist das A und O um die Biodiversität zu fördern. Was dabei speziell zu beachten ist und welche Maßnahmen sich für welche Tiere eignen, erfährt man beim Blick in unsere Broschüre: Natur ist genau „meins“

Der Klimawandel macht auch vor unseren Gärten nicht halt. Viele Kulturfolger sind auch von blühenden Pflanzen und einer intakten Vegetation abhängig. Das Poster „Blühende Gärten trotz Klimawandel“ stellt zahlreiche Pflanzenarten vor, die sich auch im heißen Sommer behaupten können. 

Glasscheiben können für Vögel zu einem großen Risiko werden. Wie man damit am besten umgeht und die Vogelfallen entschärft, verrät unser handlicher Folder zum Thema Vogelanprall: Vogelanprallfolder.

Totholz ist eine wichtige Ressource, die viel zu wenig geschätzt wird. Als Insekten-Hotspot dient Totholz auch kulturfolgenden Arten wie dem Igel als lokale Nahrungsquelle! Unsere Totholzbroschüre beleuchtet diesen spannenden Mikrokosmos näher und gibt Tipps, wie man solche Strukturen auch im heimischen Garten gezielt erhalten kann. 

Erfolgreich Wildtiere beobachten: Was ist zu beachten?

Wer nun neugierig geworden ist und Wildtiere in der Stadt beobachten möchte, kann sich mit der Beachtung einiger einfacher Grundregeln gut vorbereiten!

Als Erstes lohnt sich eine Recherche. Welches Tier möchte ich beobachten? Wo kommt es in der Stadt vor? Wann ist es aktiv? Gibt es charakteristische Rufe, Spuren etc. an denen ich erkenne, dass es in der Nähe ist? Um diese Informationen zu bekommen, reicht oftmals ein Blick in ein Sachbuch oder der Besuch auf einer gut recherchierten Website. Möchte man etwa einen Mauersegler im Flug bestaunen, muss man auf den Frühling warten. Der Mauersegler ist ein Zugvogel und kommt somit erst im April in unsere Stadt. Ist die Zeit gekommen, begibt man sich mich am frühen Abend in eine Gegend mit vielen alten Gebäuden und verzierten Fassaden. Dort achtet man auf dessen charakteristische Rufe, die schon von Weitem zu hören sind.

Dohle 2 HEB 128Außerdem sollte man berücksichtigen, aus welcher Distanz man welche Art beobachten kann. Dohlen oder Igel lassen einen meist näher an sich heran als beispielsweise ein Turmfalke. Möchte man diese schönen Flugjäger genauer beobachten, lohnt sich die Investition in ein gutes Fernglas oder eine Kamera mit Teleobjektiv. Solche Ausrüstung hilft uns aber nicht nur dabei die Tiere besser sehen zu können, sondern lässt uns auch leichter Rücksicht nehmen. Fast alle kulturfolgenden Arten sind an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt. Gehen Menschen ihrem regulären Tagesablauf nach und bleiben auf ihren gewohnten Wegen, fühlen sich die wenigsten dieser Tiere gestört. Zeigen sich Menschen allerdings interessiert und verlassen gewohnte Bereiche, um Tiere aus der Nähe zu beobachten, werden sie als Bedrohung wahrgenommen. Gerade im Winter kann das für flüchtende Tiere einen kritischen Verlust an Kraftressourcen bedeuten. Respektieren wir also die Grenzen unserer Wege und Pfade, haben wir auch bessere Chancen unsere Kulturfolger nicht zu erschrecken und sie in ihrer natürlichen Verhaltensweise kennen zu lernen.

Oftmals wird uns beim Beobachten von Wildtieren der Wert der Stadtnatur bewusst. Die Tiere sind es, die unser Wien so lebendig machen. Wer sich die Zeit nimmt und genau hinsieht, wird eine völlig neue Dimension unserer Stadt entdecken und schätzen lernen.

 

© Fotos Mauersegler, Igel und  Fuchs: WikiCommons, Dohle: Benedikt Heger

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