Temelin 3 und 4
Die geplanten zusätzlichen zwei Reaktoren am Standort Temelin befinden sich gegenwärtig in der Ausschreibungsphase. Angebote für das Projekt von den Herstellern AREVA, Westinghouse und dem Konsortium Skoda und Gidropress liegen vor. Das Angebot von AREVA wurde vom KKW Betreiber CEZ aus unbekannten Gründen aus dem Bieterverfahren ausgeschieden. Zu dem Fall ist ein Verfahren vor dem Vergabekontrollgremium Tschechiens anhängig. Abhängig von der Entwicklung in dieser Rechtssache kann mit einer Vergabe ab Ende des Jahres 2013 gerechnet werden. In der Folge ist ein Baubeginn nicht vor 2016 zu erwarten. Der Standpunkt der Behörde zum UVP-Verfahren lag zum Zeitpunkt des Treffens nicht vor. Genauso ist auch noch nicht der Antrag auf die Standortgenehmigung bei der Behörde eingegangen. Beide Schriftstücke werden in nächster Zeit erwartet.
Endlager
Die Tschechische Republik arbeitet seit dem letzten Jahrhundert am Endlager für hochradioaktiven Abfall und abgebrannten Kernbrennstoff. In einem Auswahlverfahren wurden ursprünglich geeignete Standorte auf Grund - im Wesentlichen historischer - geologischer Daten ausgewählt. Diese Standorte wurden noch um einen Standort in der Uranabbaugegend in der Nähe von Kraví hora und um militärisches Gelände erweitert. Alle Standorte befinden sich im Wesentlichen auf der Linie zwischen Temelin und Dukovany mit variierendem Abstand von der österreichischen Grenze. Die zuständige Gesellschaft hofft bis 2018 an zumindest zwei Standorten die Erlaubnis für weitere geologische Untersuchungen durch die betroffene Gemeinde zu erhalten. Ab dem Jahr 2030 sieht der Plan die Errichtung eines Untergrundlabors vor. 2050 ist der geplante Baubeginn und 2065 soll die Inbetriebnahme sein. Die geplante Kapazität umfasst die Abfälle aus den bestehenden KKW Temelin (40 Jahre Betrieb) und Dukovany (40 Jahre Betrieb) sowie den der geplanten Reaktoren Temelin 3 und 4 und ein möglicher Ausbau des Standortes Dukovany (60 Jahre Betrieb).
Stresstests
Die europäischen Stresstests für Kernkraftwerke haben auch im Fall der tschechischen KKW zu einer Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheit - anheben der Sicherheitsstandards auf den Stand von Wissenschaft und Technik unter Einbeziehung der Erkenntnisse aus dem katastrophalen Unfall in Fukushima – geführt. Gegenwärtig werden die Empfehlungen durch die Behörde evaluiert. In diesem Zusammenhang ist die seismische Ertüchtigung des KKW Dukovany, welche teilweise bereits umgesetzt wurde, zu erwähnen. Die Implementierung der Regelungen für den Umgang mit schweren Unfällen ist in Arbeit. Dabei werden verschiedene weltweit existierende Herangehensweisen auf ihre Kompatibilität mit den tschechischen Rahmenbedingungen und auf ihre Effektivität im Zusammenspiel mit den bestehenden Prozeduren untersucht. Auch wenn die bestehenden Stresstests die ursprüngliche Intension der Kommission nicht erfüllen, leisten sie, wie die Reaktion zeigt, einen positiven Beitrag zur Sicherheitsdebatte und führen zur Umsetzung von konkreten Maßnahmen. Von österreichischer Seite wird es jedenfalls eine tiefere Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Stresstests für die in unmittelbarer Umgebung Österreichs liegenden Kernenergieanlagen geben. Gerade für diese Anlagen ist eine Umsetzung der Empfehlungen und eine damit einhergehende Verminderung der Wahrscheinlichkeit des Eintritts schwerer Unfälle für die Sicherheit Wiens von großer Bedeutung.
Exkursion Dukovany
Bei der Besichtigung des KKW Dukovany hatte die österreichische Delegation die Möglichkeit, das Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle, den Simulator für die Kontrollwarte, die Turbinenhalle mit Nebenräumen und die Batteriebänke zur Notstromversorgung in Augenschein zu nehmen. Im Zuge der Besichtigung konnten die bereits durchgeführten seismischen Ertüchtigungen inspiziert werden. Das Treffen lief in einer sehr offenen und konstruktiven Atmosphäre ab. Die tschechische und österreichische Seite konnte im Rahmen des Treffens viele Fragen direkt klären. Wo die Fragestellung zu komplex war, konnten konsensual Wege für die weitere Abarbeitung dieser vereinbart werden. Das nächste reguläre Treffen im Rahmen des bilateralen Abkommens wird 2013 in Österreich stattfinden.
Auch wenn die WUA aus einer Vielzahl von Gründen prinzipiell in der Nutzung der Kernenergie eine Gefahr und keinen Vorteil für die Gesellschaft sieht und diese daher ablehnt, sind die Treffen zum Informationsaustausch mit den nuklearen Nachbarländern ein wichtiges Instrument, um die Sicherheitsanforderungen an KKW zu verbessern und den Dialog über die Vorbehalte Wiens und Österreichs gegenüber der Kernenergie zu kommunizieren.
