Nach der Katastrophe von Fukushima wurden in Japan erstmals sowohl aus der Politik als auch aus breiten Teilen der Bevölkerung Stimmen laut, die den Ausstieg aus der Kernenergie forderten. Gleichzeitig mit der Abschaltung des überwiegenden Teils der Kernkraftwerke im Jahr 2011 war es notwendig zur kurzfristigen Überbrückung eine Beschränkung des Stromverbrauchs vorzuschreiben und den verbleibenden Rest kurzfristig aus fossilen Quellen zur Verfügung zu stellen. Zwei Punkte sind für die Wiederinbetriebnahme von KKW in Japan wesentlich. Einerseits kann Japan seinen erhöhten Bedarf an fossilen Brennstoffen nur durch Importe decken, was sich negativ auf die Handelsbilanz auswirkt. Andererseits ist die Inbetriebnahme der KKW ein wichtiger strategischer Erfolg für die Kernenergielobby, die - wäre der Sommer mit seinem traditionell sehr hoch liegendem Stromverbrauch ohne KKW bewältigt worden - wahrscheinlich jeglichen Rückhalt in Bevölkerung und Politik verloren und die Lüge der Unverzichtbarkeit auf Kernenergie (Japans Stromverbrauch wurde vor der Katastrophe zu etwa 30 Prozent aus Kernenergie gedeckt) widerlegt hätte.

Der Anteil der Kernenergie

In Japan lag der Anteil der Kernenergie etwa so hoch wie in der Europäischen Union. Es hat sich gezeigt, dass bei entsprechenden Begleitmaßnahmen der sofortige Verzicht auf die Kernenergie beim gegebenen Anteil auch für eine hoch industrialisierte und technisierte Gesellschaft möglich ist. Die Abschaltung aller Kernkraftwerke in Japan hat auch gezeigt, wo sich enorme Einsparungspotenziale beim Stromverbrauch finden. Gleichzeitig hat sie gezeigt, dass ein sofortiger Ersatz von 30 Prozent der Stromversorgung zwar in Zeiten hohen Verbrauchs – der Einsatz von Klimageräten erhöht den Strombedarf in Japan im Sommer um etwa 15 Prozent (!) - zu Einschränkungen führt, aber in Zeiten geringeren Verbrauchs ohne Einschränkungen und freiwillige Maßnahmen der Verbraucher möglich ist.

Es bleibt zu hoffen, dass nicht irrationale Entscheidungen und Lobbying der Kernindustrie den zukünftigen Weg des schwer durch die Katastrophe von Fukushima getroffenen Japan bestimmen werden, sondern Japan sein enormes technisches Wissen und seine Innovationskraft dazu verwenden wird, den Weg in eine nachhaltige und sichere Energiezukunft zu beschreiten. 

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