Die Ankündigung bis 2060 zusätzliche Kapazitäten von über 18 GW im nuklearen Bereich errichten zu wollen, erscheint auf den ersten Blick fast wie eine Trotzreaktion auf die Ereignisse in und nach Fukushima. Während es in bedeutenden Ländern zum Ausstieg aus der Kernenergie kommt - oder zumindest eine Nachdenkpause wie nach Tschernobyl eintritt - will sich Tschechien offensichtlich in seiner Stromproduktion fast ausschließlich auf Kernenergie verlassen.
Wie das Beispiel Frankreich zeigt – hierbei handelt es sich weltweit um den einzigen Staat der über 75 % seines Strombedarfs aus Kernenergie deckt – verursachen Stromsysteme mit einem derartig hohen Anteil an großen, gleichartigen, schlecht regelbaren Quellen nicht unerhebliche Probleme.
Die Kosten für den angestrebten Ausbau werden sich nach heutigen Preisen auf zumindest ein Drittel des aktuellen tschechischen Jahres-BIP belaufen und damit auf absehbare Zeit alle Mittel im Energiebereich binden. Das Stromsystem wird in einem hohen Ausmaß von Exportmöglichkeiten abhängig sein, um durch die zu vielen Zeiten produzierten Überschüsse nicht die Netzstabilität zu gefährden.
Wie alle fossilen Energieträger ist auch Uran ein endlicher Rohstoff. Die durch die zurückgehenden Vorräte steigenden Preise werden bei der gegenwärtigen Planung Tschechiens in der Betriebszeit der geplanten KKW schlagend.
Sollte Tschechien die angekündigten Pläne verwirklichen, sind klare Handlungen notwendig. Die österreichischen Stromkund/innen und jene aller Nachbarländer Tschechiens haben es in der Hand durch ihre persönliche Kaufentscheidung das großangelegte Nuklearstromexportprojekt scheitern zu lassen. Mit der Ankündigung der österreichischen Bundesregierung ab 2015 keinen Strom aus KKW mehr importieren zu wollen, ist ein wichtiger Schritt getan - die Umsetzung muss angesichts der Pläne der tschechischen Republik so schnell wie möglich erfolgen.
