Bewusstsein für Strahlenschutz und Erneuerbare Energien fördern
"Umweltfragen werden in der Slowakei und in Österreich völlig unterschiedlich eingeschätzt und bewertet." Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die im Rahmen des slowakisch-österreichischen Interreg-Nachbarschaftsprojekts "DIRECT" (PDF) in Bratislava und Wien durchgeführt wurde und heute in Wien präsentiert worden ist. Die Wiener Umweltanwältin Dr. Andrea Schnattinger zu dem zweijährigen EU-geförderten Projekt, das GLOBAL 2000 mit der Wiener Umweltanwaltschaft, den Helfern Wiens sowie der slowakischen Organisation für Umweltmonitoring (OMP) gemeinsam durchführt: "In diesem Projekt wird für gemeinsame Umweltziele in der Region Wien - Bratislava gearbeitet und ein Beitrag zur Bewusstseinsbildung geleistet."
Meinungsumfrage liefert unterschiedliche Ergebnisse
"Knapp ein Jahr vor dem Beitritt der Slowakei zur EU bestehen zwischen Wien und Bratislava noch erhebliche Auffassungsunterschiede in Umweltfragen. 80 Prozent der WienerInnen schätzen beispielsweise Unfälle in Atomkraftwerken als sehr bedrohlich beziehungsweise als bedrohlich ein, während sich Bürger/innen aus Bratislava nur zu 41 Prozent von AKW bedroht fühlen", fasst DI Barbara Studeny von GLOBAL 2000, Projektkoordinatorin von DIRECT, die Ergebnisse zusammen. Auch bei der Frage nach einem europaweiten Atomausstieg bestehen starke Unterschiede: Während in Wien 93 Prozent dafür sind, sprechen sich in Bratislava lediglich 38 Prozent für ein Ende der Nutzung der Atomkraft aus 52 Prozent der BürgerInnen von Bratislava sind sogar dezidiert gegen einen Ausstieg. Was wirksame Umweltmaßnahmen bewirken können, zeigt die Frage nach dem Bedrohungspotenzial von Flutkatastrophen. Hier fühlen sich nur noch sieben Prozent der WienerInnen bedroht, in Bratislava halten noch 49 Prozent der Bevölkerung eine Hochwasserkatastrophe für "sehr wahrscheinlich". "Gerade in der grenzüberschreitenden Problematik der Atomkraftnutzung kommt es auf den partnerschaftlichen Dialog an", so Daniel Szabo von der Organisation für Umweltmonitoring in Bratislava. "Das Projekt trägt dazu bei, die unterschiedlichen Sichtweisen aufzuzeigen und so noch dem EU-Beitritt Vorurteile auszuräumen."
Länderübergreifende Schulprojekte initiiert
Kernstück der Projektarbeit ist das intensive Miteinander von insgesamt sechs Schulklassen aus Wien und Bratislava. Je zwei Partnerklassen ähnlichen Alters werden gemeinsam eine Projektidee erarbeiten und diese dann im Laufe des Sommersemesters 2004 zusammen verwirklichen. Schulen und interessierte Lehrer/innen sind schon involviert. Besondere Vorliebe zeigen die Klassen für Ideen im Bereich der erneuerbaren Energien. Eine zweisprachige Homepage, auf der Schulmaterialien zu den Projektthemen und Handbücher mit den Ergebnissen der Schulprojekte auch anderen Schulen Lust auf eine künftige Zusammenarbeit machen sollen, ist in Entwicklung. Weiters soll die Plattform zu einer aktiven Vernetzung von AkteurInnen in beiden Ländern im Bereich erneuerbare Energien und Strahlenschutz genutzt werden.
"Wir möchten mit dem länderübergreifenden Projekt dazu beitragen, dass sich die Bevölkerung beider Staaten als Kooperationspartner im Umweltbereich näher kommt und ein größeres gegenseitiges Verständnis entsteht", so Dr. Schnattinger. "Die EU-Erweiterung muss auch in den Köpfen und Herzen geschehen, nicht nur auf dem Papier", schließt DI Studeny.
