Warum eine weitere Hülle?
Die im Laufe der letzten 20 Jahre beschädigte und instabil gewordene Hülle über dem Reaktor wurde unmittelbar nach dem Unglück errichtet, um weitere Freisetzungen zu verhindern. Auf Grund der extremen Strahlenbelastung vor Ort war die Errichtung schwierig und in der Folge mangelhaft. Das Dach der Hülle wurde in der Vergangenheit bereits verstärkt, um das Risiko zu verringern. Ein Einsturz der Hülle würde zur Freisetzung von Teilen der noch im Reaktor befindlichen hoch radioaktiven Stoffe führen. Schätzungen zufolge sollen diese Teile aus etwa 180 Tonnen der ursprünglichen Reaktormasse sowie aktivierten Materialien bestehen. Sie liegen teilweise in Form von Asche und Staub sowie ausgewaschen als Flüssigkeit vor.
Situation in der Ukraine und Weißrussland
Die Ukraine und Weißrussland stehen neben den furchtbaren menschlichen Schicksalen, die die Katastrophe ausgelöst hat, vor großen finanziellen Problemen. Um die Folgekosten im Gesundheitsbereich und für die Absicherung der noch immer gefährlichen Ruine zu tragen, sind sie auf die Hilfe der Staatengemeinschaft angewiesen. Dieser Umstand hindert die betroffenen Länder jedoch nicht, nach Geldgebern für neue Atomkraftwerke zu suchen.
Rückblick
In Folge des Super-GAUs im Block IV des KKW Tschernobyl am 26. April 1986 starben mehrere tausend Menschen. Über 200.000 Personen wurden dauerhaft evakuiert. Über 400.000 Hektar Land in der Umgebung des Kraftwerks sind auf unabsehbare Zeit unbewohnbare Sperrzone. Krebsstatistiken zeigen einen signifikanten Anstieg vor allem an Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen besonders bei Kindern und Jugendlichen. Der letzte Reaktorblock des KKW Tschernobyl wurde nicht zuletzt auf Druck der Europäschen Union im Dezember 2000 abgeschaltet.
Mehr Informationen
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
IPPNW - Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung
Greenpeace
IAEA - Statements of the Director General (Englisch)
