Spätestens mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die sich heuer zum 25sten Mal jährt, schlitterte die Kernenergie in eine weltweite Krise. Einige wenige in Bau befindlichen Kernkraftwerke wurden noch fertig gestellt, die Neubautätigkeit praktisch eingestellt. Die seit Jahren kolportierten Gerüchte über die Renaissance der Kernenergie können durch Zahlen schwer gerecht fertigt werden. In den letzten zehn Jahren wurden so wenige Reaktoren ans Netz gebracht wie nie zuvor in der Geschichte der Kernenergie.
Unter den 65 zur Zeit in Bau befindlichen Kernreaktoren sind auch Mochovce 3 & 4 (Slowakei) deren Baubeginn auf 1987 datiert oder Watts Bar 2 (USA) dessen Bau 1972 begonnen wurde. Tatsächliche große Neubauaktivitäten gibt es nur in China (27), Russland (11), Indien (5) und Korea (5). Das wirklich Neue ist, dass jetzt auch in Europa, das nach wie vor weltweit über den größten Anteil an Kernenergie verfügt, zwei tatsächlich neue Reaktoren errichtet werden - Flamanville 3 (Frankreich) und Olkiluoto 3 (Finnland) sowie über den Bau weiterer nachgedacht wird.
Zur Zeit sind weltweit 442 Kernkraftwerke in Betrieb. Sie stellen eine elektrische Nominalleistung von 375 GW zur Verfügung und produzieren gleichzeitig jedes Jahr etwa 70.000 Tonnen hoch radioaktiven Abfall. Die so erzeugte Strommenge entspricht nur etwa zwischen 2 und 3 Prozent des Weltenergiebedarfs. Der Beitrag etwa zum Klimaschutz oder zur Versorgungssicherheit ist somit, selbst bei einer nicht einmal von der Kernenergieindustrie angestrebten Verdopplung der KKWe, vernachlässigbar. Der Anteil der erneuerbaren Energieträger zur Energieversorgung beträgt weltweit bereits ein Vielfaches des Anteils aus Kernenergie.
Mehr Informationen:
Studie „Bau und Planung neuer Kernkraftwerke in Europa“, Österreichisches Ökologieinstitut, (700-KB-PDF)
