UVP für Mochovce – Stellungnahmen bis 16. April 2009 möglich
Die Kapazität des Atomkraftwerks Mochovce soll wenn es nach dem Willen der Betreiber geht verdoppelt werden. Mit dem geplanten Fertigbau von zwei Reaktoren, deren Bau in den 1990-er Jahren eingestellt wurde, würde die Zahl der Kraftwerksblöcke von heute zwei auf vier steigen.
Nachdem sich die slowakische Seite lange Zeit darauf berufen hat, dass eine vor 30 Jahren ausgestellte Baubewilligung existiere, kommt es doch zu einem regulären UVP-Verfahren. Die Slowakische Behörde hat damit entgegen allen Begehrlichkeiten klar gemacht, dass europäische Standards für Verfahren auch für slowakische Atomkraftwerke gelten. Der dringliche, auch von der WUA als Atomschutzbeauftragte für Wien, kommunizierte Wunsch Österreichs nach einem regulären Verfahren mit der Möglichkeit zur Stellungnahme für alle durch das Atomkraftwerk potenziell Bedrohten, wird damit erfüllt. Die WUA hat daher eine Musterstellungnahme (49-KB-PDF) für alle Interessierten ausgearbeitet. Ihre Stellungnahme richten Sie bitte in der Zeit vom 19. März bis 16. April 2009 an das Amt der Wiener Landesregierung, Magistratsabteilung 22 - Umweltschutzabteilung, Dresdner Straße 45, 1200 Wien.
Veraltete AKW-Technik gefährdet Wien
Ein möglicher schwerer Unfall in der Anlage kann bei entsprechenden Wetterbedingungen zu katastrophalen Auswirkungen für ganz Mitteleuropa führen. Im Rahmen des Verfahrens werden daher zahlreiche sicherheitstechnische Punkte zu beleuchten sein.
Sollten die zwei geplanten Reaktoren jemals vollendet werden, sind sie mit Abstand die letzten fertig gestellten Reaktoren ihrer Art. Bei diesem Reaktordesign handelt es sich um die längst nicht mehr dem Stand der Technik entsprechende Type WWER-440/213 der 2. Generation sowjetischer Leistungsreaktoren.
Weitere Hauptkritikpunkte:
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Die Alterung der eingemotteten vor Ort befindlichen Anlagenteile sowie die problematische Dokumentation des Baus in Folge der langen Verzögerungen.
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Das fehlende Containment, das bei einem Unfall die Radioaktivität zurückhalten soll.
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Die Qualifikation des Ersatzsystems für das Containment (bubbler condensers) im Zusammenspiel mit externen Ereignissen oder bei maximaler Belastung im Notfall.
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Der unzureichende Schutz gegen Flugzeugabstürze.
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Der Standort und der Reaktor selbst ist in Bezug auf die Erdbebensicherheit weiterer Untersuchungen, beziehungsweise Ertüchtigungen, zu unterziehen.
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Die im Design dieses Reaktortyps (WWER-440/213) problematische Auslegung und Führung der elektrischen Leitungen.
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Mangelhafter Brandschutz
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Abschnittsweise Parallelführung von hochenergetischen Kühlmittelleitungen.
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Eine Lösung zur sicheren Entsorgung des anfallenden radioaktiven Mülls fehlt nach wie vor.
Nach zwei Jahrzehnten Pause wird weitergebaut
Das Atomkraftwerk Mochovce ist nur etwa 145 Kilometer von Wien entfernt. Der Bau des Atomkraftwerks wurde in den 1970-er Jahren geplant und in den frühen 1980-ern begonnen. Nach Unterbrechungen wurden in den späten 1990-ern zwei der insgesamt vier Blöcke fertig gestellt. Nach massiven Protesten - nicht zuletzt auch in Österreich - wurden die bestehenden Blöcke 1 und 2 mit zahlreichen zusätzlichen Sicherheitseinrichtungen aufgerüstet. Alleine diese Maßnahmen werden bei den Blöcken 3 und 4 nicht mehr ausreichen um eine halbwegs akzeptable Annäherung an den heutigen Stand der Technik zu erreichen.
Kernenergie ist keine Lösung
Kernenergie ist keine nachhaltige Form der Energiegewinnung. Uran ist ein - genauso wie Erdöl oder andere fossile Brennstoffe - endlicher Rohstoff. Ohne massive Überwälzung von Kosten und Risken auf die Allgemeinheit sind Neubauten wirtschaftlich weiterhin nicht darstellbar. Von staatlicher Seite werden direkte und indirekte Förderungen und Vergünstigen in Milliardenhöhe bereitgestellt, gerade so, als handle es sich bei der Kernenergie um eine neue Technologie, der man den Markteinstieg erleichtern müsste. Ungeachtet dessen verspricht die Atomindustrie nunmehr seit über einem halben Jahrhundert sauberen und günstigen Strom. Katastrophale Auswirkungen von Unfällen, kontinuierliche Freisetzung von Radioaktivität im Normalbetrieb und eine fehlende Perspektive für die Beseitigung des radioaktiven Mülls sind entgegen der ständigen Beteuerungen nach wie vor die treuen Gefährten der Kernenergie.
Mehr Informationen:
Kundmachung Magistratsabteilung 22 – Wiener Umweltschutzabteilung
Musterstellungnahme zum UVP-Verfahren für das KKW Mochovce (49-KB-PDF)
Stellungnahme der WUA (171-KB-PDF)
Detailbeschreibung des KKWs Mochovce der WUA
