Wie im Kraftwerk Biblis, bei dem 2006 erhebliche Mängel an hunderten sicherheitsrelevanten Dübelverbindungen festgestellt wurden, sind auch in diesen Fällen die Befestigungen von Rohrleitungen fehlerhaft oder nicht vorhanden.

Chronologie der Vorfälle im KKW Brunsbüttel
Chronologie der Vorfälle im KKW Krümmel
Schlussfolgerungen

Vorgeschichte

Ursprünglich handelte es sich bei den Ereignissen in den Anlagen von Krümmel und Brunsbüttel um kleine Vorfälle. Diese brachten grobe Missstände und Sicherheitsdefizite in den beiden Kraftwerken ans Licht.

Chronologie der Vorfälle im KKW Brunsbüttel

Am 28. Juni 2007 kam es während Reparaturen im KKW zu einem Kurzschluss. Der Reaktor wurde daraufhin vom Netz genommen. Beim nachfolgenden Hochfahren des Reaktors kam es wiederholt zu Problemen im Reinigungssystem des Primärkreislaufs. Nach dem Hochfahren wurden Temperaturabweichungen in einem der Dampfkessel festgestellt. In der Folge wurde die Leistung auf zehn Prozent reduziert. Im Laufe der Überprüfung wurden Mängel an mehreren Befestigungen bemerkt. Über Aufforderung der Kontrollbehörde wurde daraufhin der Reaktor am 22. Juli 2007 gänzlich heruntergefahren.

Das Energieunternehmen Vattenfall, der Betreiber der Kraftwerke, sah sich unter dem öffentlichen Druck gezwungen, personelle Konsequenzen zu ziehen. Weiters hat das Unternehmen eine Klage gegen die Kontrollbehörde zurückgezogen und damit die Veröffentlichung der Mängelliste der letzten Sicherheitsüberprüfung (856-KB-PDF) des KKW Brunsbüttel ermöglicht. Die Liste aus dem Jahr 2001 umfasst unter anderem 172 Mängel der Kategorie 2 (kurzfristig zu beseitigende Dokumentationsmängel). Davon wurden nach unwidersprochenen Angaben der Deutschen Umwelthilfe bis zum Stichtag 21. Juni 2006 lediglich sieben behoben.

Trotz regelmäßiger Probleme, mangelhafter Sicherheitsstrukturen und des gewaltigen Imageschadens für den Betreiber, sieht der Konzern keinen Grund, die Ansuchen um Laufzeitverlängerung für das KKW Brunsbüttel zurückzuziehen.

Chronologie der Vorfälle im KKW Krümmel

Am 28. Juni 2007 kam es im KKW Krümmel zum Brand eines Transformators. Der Brand war schnell unter Kontrolle und der Reaktor wurde manuell heruntergefahren. Radioaktivität trat nicht aus. Zu keinem Zeitpunkt bestand Gefahr für die Bevölkerung oder das Personal – soweit die Meldung des Betreibers Vattenfall an diesem Tag.

Auf Druck der Öffentlichkeit und der Medien beschäftigte sich die zuständige Kontrollbehörde mit dem Vorfall näher. Im Zuge dessen stellte sich heraus, dass während des Brandes über die Belüftung Rauch in die Kontrollwarte des Kraftwerks eingedrungen war und das Personal unter Verwendung von Gasmasken den Reaktor weiter betreiben musste. Überdruckventile öffneten und der Kühlwasserspiegel im Reaktordruckbehälter sank schnell ab. Gleichzeitig kam es zum Versagen einer Kühlwasserpumpe und zur Fehlschaltung eines zweiten Transformators. Weiters ist das Datenmaterial über den Zeitraum des Vorfalls nicht mehr auffindbar. Die Kontrollbehörde konnte erst mit Hilfe der Polizei und mit einem gerichtlichen Durchsuchungsbefehl feststellen, welche Personen zum Zeitpunkt des Vorfalls Dienst hatten und diese befragen. In weiterer Folge wurden eine Reihe von meldepflichtigen Mängeln festgestellt, unter anderem Lecks in Leitungen und mangelhafte Befestigungen.

Am 4. Februar 2008 kommt es in dem wegen einem Transformatorbrand und anderer Mängel seit Sommer 2007 stillstehenden KKW aus ungeklärten Gründen zu einem Schwelbrand am Filter einer Lüftungsanlage. Das Reaktorgebäude wurde vorsorglich geräumt, die Betriebsfeuerwehr bringt den Brand unter Kontrolle.

Schlussfolgerungen

Das Ablaufschema erinnert in erschreckender Weise an den Störfall im schwedischen KKW Forsmark im letzten Sommer. Die Akteure sind zumindest auf Betreiberseite dieselben. Die Informationsbereitschaft der Betreiber ist gering. Die Vorfälle in den KKW Krümmel und Brunsbüttel zeigen, dass die Nutzung der Kernenergie mit für die Bevölkerung nicht zumutbaren Risiken und Problemen behaftet ist. Diese Form der Energiegewinnung stellt keine vertretbare Option dar. Offensichtlich sind sich auch die Betreiber darüber klar – jedoch stellen sie das Diktat maximaler Gewinne über diese Einsicht und versuchen, Probleme so weit wie möglich zu verschweigen.

Der Ausstieg aus der Kernenergienutzung stellt die einzige zukunftsfähige Lösung dar. Die Verwendung der dadurch frei werdenden beachtlichen Geldmittel könnte für die Erforschung und Errichtung nachhaltiger Technologien zur Gewinnung und zum effizientem Einsatz von Energie genutzt werden.

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