Nicht gelöst - unter den Teppich gekehrt
Geht es nach den Befürwortern der Kernenergie gibt es kein Problem mit abgebrannten Brennstäben und dergleichen. Die eine Gruppe vertritt die sicheren geologischen Endlager - hier soll der anfallende Müll über hunderttausende Jahre sicher verwahrt werden. Jedoch befindet sich weltweit kein einziges Endlager in Betrieb. Projekte, an denen schon seit Jahren gebaut wird, erweisen sich nun als untauglich. Jene Standorte, mit deren Bau jetzt begonnen wird, haben ihren geplanten Betriebsbeginn in ferner Zukunft.
Wie den Medien seit gut einem Jahr zu entnehmen ist, treten in deutschen Lagern die eigentlich nur für wenige Jahrzehnte geplant waren, schwere Schäden (Wassereinbrüche im Lager Asse) auf, die wahrscheinlich eine Milliarden teure Sanierung notwendig machen. Am geplanten deutschen Endlager Gorleben für abgebrannte Brennstäbe wird seit 1977 geplant, gebaut und zwischengelagert. Die Standortwahl erfolgte nach aktuellen Informationen unter dubiosen Umständen. Geologisch ist das Lager, glaubt man den Aussagen des zuständigen Ministers aus dem Jahr 2009, schlicht ungeeignet - ein endgültiges Aus ist daher unvermeidlich.
In Italien, das eines der ersten Länder mit Nutzung der Kernenergie war und nach dem Aus in Folge der Katastrophe von Tschernobyl nun den Wiedereinstieg plant, wurden Fässer mit radioaktivem Abfall von der dazu beauftragten Firma im Meer versenkt.
Eine andere Gruppe von Verfechtern der Kernenergie sieht etwa abgebrannten Brennstoff nicht als Müll, sondern vielmehr als wertvollen Rohstoff. Großbritannien hat in den Jahrzehnten der Kernenergienutzung über 100.000 Kilogramm Plutonium gesammelt. Mit dieser Menge könnten bis zu 20.000 Atombomben gebaut werden! In der Energieerzeugung nutzbar ist das hochgiftige Plutonium nur sehr beschränkt. Einer großen Anwendung stehen seit Jahrzehnten ungelöste, massive technische Probleme entgegen. Ein Bewusstseinswandel ist aber eingetreten. Seit einigen Jahren sieht man die Plutonium-Vorräte nicht mehr als wertvollen Schatz, sondern als Entsorgungsproblem.
Frankreich präsentiert die eigene Atomwirtschaft immer als gelungenes Beispiel für die These, dass abgebrannte Brennelemente ein wertvoller Rohstoff sind. Bis auf diverse Unfälle mit regelmäßiger Freisetzung radioaktiver Stoffe produziert die Anlage La Hague am Ärmelkanal aus altem Brennstoff neuen. Das Recycling scheint perfekt zu sein. 20 Prozent des französischen Kernbrennstoffs soll aus diesem Prozess stammen. Einen Teil - rund 13 Prozent des Mülls aus abgebrannten französischen Kernbrennstäben - hat nun im Oktober 2009 die Zeitung Libération gefunden. Dieser Teil des Atommülls lagert in Sibirien in der ehemaligen sowjetischen Geheimstadt Tomsk-7 unter freiem Himmel. Einige tausend Tonnen des deutschen Atommülls sollen in ähnlicher Weise entsorgt worden sein.
Mythos saubere Kernenergie
Weder die Gewinnung des für den Kernbrennstoff notwendigen Urans, noch die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist sauber. Der Effekt der Kernenergie für den Klimawandel ist minimal. Nur etwa 2 bis 3 Prozent der weltweit umgesetzten Energie kommen aus Kernkraftwerken. Die Frage der Entsorgung des hoch radioaktiven Abfalls wird seit Jahrzehnten versprochen, der Fortschritt ist jedoch mehr als bescheiden und Lösungen rücken immer weiter in die Ferne. In der Zwischenzeit produziert jeder laufende Kernkraftwerksblock jährlich zwischen 40.000 und 70.000 Kilogramm neuen hochaktiven Abfall.
