Die Diskussion über Kernenergie hat im letzten Jahrzehnt einen Wandel erfahren. Vor dem Jahr 2000 dominierten Sicherheitsfragen, durch den Aufstieg der Erneuerbaren Energieträger hat sich die gesamte Diskussion im Energiebereich zu den Kosten hin verschoben. Heute sind die Kostenstrukturen der verschiedenen Erneuerbaren Energieträger gut untersucht und bekannt. Wie für eine aufsteigende Technologie üblich, kann ein Sinken der Ausgaben mit der Zeit beobachtet werden. Die tatsächlichen Kosten von Kernenergie sind ebenso wenig bekannt wie jene von fossilen Energieträgern. Dieser Umstand basiert auf der Tatsache, dass diese Technologien aus einer Zeit stammen, in der Entscheidungen auf dem Energiesektor von Staaten, vor allem auf Grund wirtschaftlicher Überlegungen, getroffen wurden.

Die Überlegungen rund um die Kosten der Kernenergie waren in den vergangenen Jahren auf die Frage der externen Ausgaben fokussiert. Die fehlende Versicherung von Unfällen und die unterschätzten Endlagerkosten wurden vielfach untersucht. Studien zeigen, dass die Einrechnung dieser Ausgaben den Preis von Atomstrom in absurde Höhen steigen lassen würden. Über die tatsächliche gerechtfertigte Höhe dieser beiden Kostentreiber ließ sich diskutieren. Für die Kernenergielobby waren alle Schätzungen übertrieben und den Kernenergiegegnern jede Zahl zu gering.

Völlig unklar, auf Grund der Geheimniskrämerei auch in diesem Bereich der Kernenergie, waren auch die ganz gewöhnlichen Gestehungskosten von Atomstrom. Die Zahlen der Betreiber waren zwar nicht wie in den 1950-ern versprochen bei praktisch null, aber sie reihten sich unter den billigsten Stromerzeugungsarten ein. Dass dem nicht so ist, wurde spätestens mit fallenden Preisen an der Strombörse (ausgelöst durch die Erneuerbaren Energieträger) klar. Selbst abgeschriebene Kernkraftwerke kamen unter Kostendruck. Die ersten wirklichen Neubauprojekte im nuklearen Bereich nach der Liberalisierung des Strommarktes in Europa geben einen ersten Eindruck über die tatsächlichen Kosten. Die Überlegungen, die mit der Berechnung der externen Kosten der Kernenergie begonnen haben, können nun um den Faktor der Errichtungskosten ergänzt werden. Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt die Frage: „Wie viel Energie kann mit verschiedenen Energieträgern um eine gegeben Summe Fördergelder errichtet werden" zu beantworten.

Die WUA hofft mit der vorliegenden Arbeit eine solide Basis für die Diskussion über die Zukunft der Kernenergie vorzulegen. Die Studie soll dazu dienen, die bisherige Lücke in diesem Bereich der Betrachtung der Kernenergie zu schließen, um wissensbasierte Entscheidungen treffen zu können. Diese Studie ist in diesem Sinn als Baustein in einer Serie von durch die WUA beauftragten Studien zu Umweltauswirkungen und wirtschaftlichen Betrachtungen der Kernenergie zu verstehen.

Mehr Informationen:

Zusammenfassung der Studie "Erneuerbare Energien versus Kernenergie" (1,2-MB-PDF)
Studie: Renewable energy versus nuclear power (3,8-MB-PDF)
Summary: Renewable energy versus nuclear power (1,2-MB-PDF)
Österreichisches Ökologieinstitut
Zentrum für Energiewirtschaft und Umwelt

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